Warum der Hype um CBD? Was genau ist Cannabidiol?

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Cannabidiol, oder kurz CBD, ist eines der zahlreichen nicht-psychotropen Cannabinoide, die aus der Hanfpflanze gewonnen werden können. Besonders gut lässt sich CBD aus speziell gezüchtetem Industriehanf (lat. Cannabis sativa L.) gewinnen. In der Pflanze findet man zum Großteil eine Vorstufe des CBDs, das sogenannte CBDa, was für Cannabidiolsäure steht. Erst durch Licht- und Temperatureinwirkung wird das CBDa später zu CBD umgewandelt. Eine ganze Reihe von Produkten, wie z. B. Hanftee, haben als Hauptwirkstoff CBDa, da diese „Vorstufe“  im Gegensatz zum „Endprodukt“ wasserlöslich ist und ihre eigenen gesundheitsfördernden Wirkungen aufweist, wenn auch nicht im gleichen Maße wie CBD.

Cannabidiol wird oft fast schon als Universalheilmittel beworben, da es bei einer ganzen Reihe verschiedener Erkrankungen zu einer Verbesserung des Zustands oder des Wohlbefindens verhelfen kann. Nun könnte man meinen, ein Mittel, das gegen alles hilft, hilft gegen nichts – die Wirkung von CBD wird jedoch durch eine der interessantesten medizinischen Entdeckung seit Langem unterstützt: dem Endocannabinoid-System.

Worum es sich hierbei handelt, wie CBD mit diesem System interagiert und wieso es so ein breites Wirkungs-Spektrum hat soll im Folgenden genauer erklärt werden.

Die Entdeckung des Endocannabinoid-Systems und dessen Funktionen

In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden einige wissenschaftliche Entdeckungen gemacht, die zur Entdeckung eines bislang völlig unbekannten Systems im Körper führten, dem Endocannabinoid-System. Während man sich zuerst auf die Erforschung des psychoaktiven THC konzentrierte und einen spezifischen Rezeptor fand, mit dem das THC interagierte (CB1-Rezeptor), fand man im Jahre 1993 einen weiteren Rezeptor des Endocannabinoid-Systems, genannt CB2, mit dem ein anderes Cannabinoid des Hanfs interagiert – das CBD. Es stellte sich heraus, dass dieses neu gefundene System im ganzen Körper vertreten ist, wobei CB1 Rezeptoren hauptsächlich im Gehirn gefunden wurden und CB2 Rezeptoren, die vor allem mit CBD interagieren,  u. a. in: Darm, Milz, Leber, Herz, Nieren, Knochen, Blutgefäße, Lymphzellen und sogar den Fortpflanzungsorganen. Eine Antwort auf die Frage, warum praktisch im ganzen Körper ein System vorzufinden ist, dass auf pflanzliche Cannabinoide reagiert, kam mit der Entdeckung körpereigener Moleküle, die mit den gleichen Rezeptoren interagieren, genannt Endocannabinoide. Eines der wichtigsten Endocannabinoide ist das Anandamid, welches 1992 entdeckt wurde. Mit der Zeit verstanden die Wissenschaftler, dass dieses System ein Signalsystem ist, das durch Endocannabinoide im Körper einen Zustand der Homöostase auslöst und dadurch maßgebend zur Gesundheit und dem Wohlbefinden beiträgt. Somit ist das Endocannabinoid-System möglicherweise das wichtigste System in unserem ganzen Körper; es ist verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Homöostase. Grundsätzlich, wenn unser Endocannabinoid-System nicht richtig funktioniert, z. B. wegen schlechter Ernährung oder Stress, könnte der ganze Körper in Gefahr sein, da es für viele seiner normalen, täglichen Funktionen verantwortlich ist.

Die Möglichkeiten, die mit dem Verständnis des Endocannabinoidsystems einhergehen, sind praktisch endlos. Dieses eine System kann helfen, fast jeden Aspekt unseres Wohlbefindens zu regulieren – was bedeutet, dass wir durch die Beeinflussung seiner Rezeptoren (unter Verwendung von pflanzlichen Cannabinoiden aus Hanf) möglicherweise die Möglichkeit haben, Krankheiten nicht nur zu heilen, sondern sogar zu verhindern.

Einige Wirkungen von CBD

Die unglaubliche Vielfalt an gesundheitsfördernden Effekten, die dem CBD nachgesagt wird und inzwischen größtenteils durch wissenschaftliche Studien bestätigt ist, lässt sich durch die Anwesenheit von Cannabinoid-Rezeptoren im ganzen Körper erklären. Einige Erkrankungen und Beschwerden, bei denen CBD hilft werden im Folgenden aufgeführt:

 

  • Neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer, Multiple Sklerose oder Parkinson beruhen oft auf Entzündungen des neuralen Gewebes. Da CBD ein entzündungshemmendes Mittel ist, kann es dazu beitragen, das Fortschreiten solcher Erkrankungen zu verlangsamen.
  • Cannabidiol kann auch direkt mit dem 5-HT1A-Serotonin-Rezeptor interagieren, was eine angstlösende Wirkung zur Folge hat.
  • Der 5-HT1A-Serotonin-Rezeptor (G-Proteinrezeptor) ist an zahlreichen weiteren Körperfunktion beteiligt, wie z. B. Angst, Abhängigkeit, Appetit, Schlaf, Schmerzempfinden, Übelkeit und Erbrechen.
  • CBD lindert viele der häufigsten Nebenwirkungen bei einer Chemotherapie. Außerdem ergab eine Studie mit Mäusen, dass die Einnahme von CBD in Kombination mit einer Chemotherapie die Überlebensdauer verdreifachte.
  • Es gibt Studien, die Migräne auf ein zu geringe Anzahl von Endocannabinoiden im Körper zurückführen. Da CBD ähnlich wie körpereigene Cannabinoide wirkt, kann es gut zur Behandlung von Migräne angewandt werden.
  • Laut einer koreanischen Studie kann CBD dazu beitragen, weiße Fettzellen in gesündere braune umzuwandeln, was wiederum dazu beitragen könnte, das Körpergewicht zu normalisieren.

Gibt es denn auch Nebenwirkungen?

Bei Medikamenten ist es meistens so, dass man zwar ein gesundheitliches Problem effektiv lösen kann, es gibt aber immer die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen. Wenn es um Cannabidiol geht, wird oft überhaupt nicht auf mögliche Nebenwirkungen eingegangen. Dies ist insofern verständlich, als CBD tatsächlich als sichere Substanz gilt, die generell gut vertragen wird und bei der eine Überdosis nicht möglich ist. Dennoch gibt es, neben den typischen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel, trockener Mund oder Veränderungen bezüglich des Appetits, auch einige seltene ernstere, die nicht unerwähnt bleiben sollten. An erster Stelle gilt es hier die mögliche Beeinflussung der Metabolisierung anderer Medikamente zu erwähnen. In manchen Fällen, vor allem bei Einnahme von psychoaktiven Medikamenten oder solchen gegen Epilepsie, kann es durch die Anwendung von CBD zu einer Interaktion kommen, die oft dazu führt, dass der Körper die Wirkstoffe in den Medikamenten effektiver metabolisiert. Folglich kann die Dosis der Medikamente verringert werden. In jedem Fall ist es ratsam, sich vor der gleichzeitigen Anwendung von CBD und anderen Medikamenten bei einem Arzt beraten zu lassen. CBD kann außerdem unter Umständen zu einer leichten Erhöhung des Augeninnendrucks führen, weshalb Glaukompatienten bezüglich der Anwendung von CBD einen Arzt konsultieren sollten. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte gänzlich auf die Einnahme von CBD verzichtet werden.

Wie CBD eingenommen werden kann.

CBD wird meist als Tropfen eingenommen. Hierbei tropft man das Öl direkt unter die Zunge, wo es absorbiert wird. Seit Kurzem kann man CBD-Sprays auf dem Markt finden, die die Anwendung nochmals vereinfachen. Natürlich kann man CBD auch durch Inhalation aufnehmen, was aber nur für Raucher infrage kommen dürfte. Bei Hautproblemen kann CBD in Form von Salbe auch direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.

Die Frage der Legalität

CBD ist in Europa legal. Nur handelt es sich bei CBD-Produkten meist um natürliche Produkte, die neben diesem legalen Cannabinoid, wenn auch nur in Spuren, auch das berauschende THC enthalten. THC ist lediglich in verschreibungspflichtige Medikamenten legal. Es gibt daher spezifische Regelungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz für frei verkäufliche, als Nahrungsergänzungsmittel deklarierte CBD-Produkte. Die Schweiz ist dem THC gegenüber am tollerantesten und erlaubt einen THC-Wert von 1 %. In Österreich liegt der gesetzlich zugelassene Grenzwert bei 0,3 % THC. Deutschland hat die strengste Regelung und erlaubt lediglich einen THC-Gehalt von 0,2 % in allen frei verkäuflichen Produkten. Bei Auslandsreisen sollte man sich stets bei den Behörden über die jeweilige Gesetzeslage informieren.

Die Frage der Qualität

Wie bei jedem natürlichen Produkt, können sich auch CBD-Produkte stark hinsichtlich ihrer Qualität unterscheiden. Es ist daher wichtig darauf zu achten, Produkte bei einem qualifizierten und vertrauenswürdigen Anbieter zu erwerben. Im Idealfall sollten Sie lediglich zertifizierte Produkte bestellen oder solche, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie aus kontrolliertem, ökologischen Anbau in Europa stammen. Wie bereits erwähnt, muss es sich um Produkte mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 % handeln, dass diese in Deutschland legal sind. Es muss demnach beim Kauf ebenfalls darauf geachtet werden, dass die Produkte aus Industriehanf (Cannabis sativa) hergestellt wurden. Ein weiterer Qualitätsfaktor ist die CBD-Extraktionsmethode. Um ein Höchstmaß an pflanzlichen Inhaltsstoffen wie Cannabinoiden und Terpenen zu erhalten, sollten Sie zu Produkten greifen, die kaltgepresst sind, da bei dieser Methode keine hohen Temperaturen benötigt werden, die die Inhaltsstoffe zerstören könnten.

CBD für Haustiere

Es gibt inzwischen eine ganze Reihe an CBD-Produkten, die speziell für den Organismus von Haustieren optimiert sind. Für Tiere gibt es drei Einnahmeoptionen: Tropfen, Paste oder spezielle Kapseln. Mancher dieser Produkte haben neben CBD noch weitere Inhaltsstoffe, die beispielsweise gegen Parasiten wirken.

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